Die ehrliche Antwort zuerst: Um Akkorde zu spielen und Songs zu begleiten, brauchst du keine Noten. Griffbilder und Akkordsymbole reichen, und die meisten Gitarristen, die du auf Bühnen siehst, lesen keine Noten. Trotzdem lohnt es sich irgendwann, das System zu verstehen. Nicht, weil man es muss, sondern weil es Türen öffnet: Melodien, klassische Stücke, das Spielen mit anderen Instrumenten. Hier steht, was dahintersteckt, ohne dass du erst ein Theoriebuch lesen musst.
Tabulatur oder Noten?
Gitarristen haben ein zweites Notationssystem, die Tabulatur (Tab). Sechs Linien für sechs Saiten, Zahlen für die Bünde. Eine 3 auf der obersten Linie heißt: hohe E-Saite, dritter Bund. Tabs sind leicht zu lesen und zeigen genau, wo du greifst.
Was Tabs nicht zeigen: wie lang ein Ton klingt und wie das Stück rhythmisch geht. Deshalb funktionieren Tabs am besten, wenn du den Song schon kennst. Noten zeigen Tonhöhe und Tondauer, dafür nicht, auf welcher Saite du spielst. Auf der Gitarre gibt es jeden Ton an mehreren Stellen.
Praktisch heißt das: Für Akkorde und bekannte Songs reicht die Tabulatur. Für Melodien, die du nicht kennst, für klassische Gitarre und fürs Zusammenspiel mit Bläsern oder Klavier brauchst du Noten.
Aufbau einer Note
Eine Note hat zwei Informationen: wie hoch (Position auf den fünf Linien) und wie lang (Form des Notenkopfs und des Halses).
- Ganze Note: leerer Kopf ohne Hals, vier Schläge.
- Halbe Note: leerer Kopf mit Hals, zwei Schläge.
- Viertelnote: gefüllter Kopf mit Hals, ein Schlag.
- Achtelnote: gefüllter Kopf mit Hals und Fähnchen, ein halber Schlag. Mehrere Achtel werden mit einem Balken verbunden.
Ein Punkt hinter der Note verlängert sie um die Hälfte. Pausen haben eigene Zeichen mit denselben Werten.
Das Notensystem für Gitarre
Gitarrenmusik steht im Violinschlüssel. Die fünf Linien tragen von unten nach oben die Töne E, G, H, D, F; die vier Zwischenräume F, A, C, E. Eine Besonderheit: Gitarre klingt eine Oktave tiefer, als sie notiert wird. Das tiefe E der Gitarre steht drei Hilfslinien unter dem System, obwohl es auf dem Klavier zwei Oktaven unter dem eingestrichenen C liegt. Deshalb steht am Violinschlüssel in Gitarrennoten manchmal eine kleine 8.
Die Töne heißen auf Deutsch C, D, E, F, G, A, H. Was international B heißt, ist bei uns H; das internationale Bb ist unser B. Auf dieser Seite steht bei jedem Akkord beides, weil im Internet beide Schreibweisen vorkommen.
Wo die Töne auf dem Griffbrett liegen
Das ist der Teil, der für Gitarristen wirklich nützlich ist, auch ohne Noten. Die Leersaiten sind E, A, D, G, H, E. Jeder Bund ist ein Halbton höher. Zwischen E und F liegt ein Halbton, zwischen H und C auch; überall sonst liegen zwei Halbtöne (ein Ganzton) zwischen den Stammtönen. Also auf der tiefen E-Saite: 0 = E, 1 = F, 3 = G, 5 = A, 7 = H, 8 = C, 10 = D, 12 = E.
Wenn du die Töne auf der E- und der A-Saite kennst, findest du jeden Powerchord und jeden Barré-Akkord. Das ist der Grund, warum sich dieser Teil sogar für reine Akkordspieler lohnt. Wer weitergehen will: Die Tonleitern zeigen, welche Töne zu welcher Tonart gehören, und die C-Dur-Tonleiter ist der beste Startpunkt.
Wie du es lernst, wenn du willst
Nicht mit Karteikarten. Nimm eine einfache Melodie, die du kennst (Alle meine Entchen, Bruder Jakob), such die Noten, und spiel sie auf der hohen E- und der H-Saite. Du kennst die Melodie, also hörst du sofort, ob der Ton stimmt. So verbinden sich Note, Griffbrett und Klang. Fünf Minuten am Tag, und nach einem Monat liest du die ersten Takte flüssig. Im Quiz kannst du zwischendurch Griffbilder und Töne abfragen.
Häufige Fragen
Muss ich Noten lernen, um Gitarre zu spielen? Nein. Für Akkorde, Begleitung und die meisten Songs reichen Griffbilder und Tabulatur. Noten brauchst du für Melodien, klassische Stücke und das Zusammenspiel mit Noteninstrumenten.
Was ist leichter, Tabs oder Noten? Tabs sind in einer Stunde verstanden. Noten brauchen Wochen. Dafür sagen Noten dir den Rhythmus, Tabs nicht.
Warum heißt B auf Deutsch H? Historisch: Das runde b wurde zum Zeichen für den erniedrigten Ton, das eckige b sah aus wie ein h und wurde zum Namen für den natürlichen Ton. Deshalb H und B im Deutschen, B und Bb im Englischen.
Klingt die Gitarre wirklich eine Oktave tiefer als notiert? Ja. Gitarre ist ein transponierendes Instrument, damit die Noten ohne viele Hilfslinien ins Violinsystem passen.
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