Funk ist das Gegenteil von dem, was viele erwarten. Man denkt an komplizierte Akkorde, tatsächlich reichen zwei oder drei pro Song. James Browns Gitarristen spielen manchmal minutenlang einen einzigen Neuner-Akkord. Die Arbeit steckt nicht in der Greifhand, sondern in der Anschlagshand: Sechzehntel, abgedämpfte Schläge, Akzente an der richtigen Stelle. Hier sind die Akkorde, die du brauchst, und die Technik, die sie zum Funk macht.
Der Funk-Akkord: der Neuner
Der Dominant-Neuner (E9, A9, D9) ist der Funk-Akkord schlechthin. Ein Septakkord plus None, und er klingt sofort nach Bläsersatz. Die Form mit dem Grundton auf der A-Saite ist verschiebbar:
E9 im siebten Bund: (x-7-6-7-7-7 oder x-7-6-7-7-x) A9: dieselbe Form im Bund 12, oder offen x-0-2-4-2-3. D9: Form im fünften Bund.
Tipp: Lass die tiefe E-Saite weg und schlag nur die vier oder fünf hohen Saiten an. Funk-Gitarre spielt oben, der Bass hat unten Platz.
Der Hendrix-Akkord: E7#9
Purple Haze, aber auch unzählige Funk-Stücke: E7#9, ein Septakkord mit erhöhter None. Dur-Terz und Moll-Terz gleichzeitig, das reibt, und genau das ist der Klang. (x-7-6-7-8-x). Auch diese Form lässt sich verschieben.
Kleine Griffe auf den hohen Saiten
Viel Funk-Gitarre besteht aus Dreiklängen auf den drei hohen Saiten, verschoben über den Hals. Ein Em7 als x-x-x-9-8-7, ein E-Dur als x-x-x-9-9-7. Klein, hoch, perkussiv, ohne den Bass zu stören. Fang mit Em7 an, das ist der Akkord, mit dem sich ganze Funk-Stücke bestreiten lassen.
Die Technik: Sechzehntel und Dead Notes
Jetzt der Teil, der Funk zu Funk macht.
1. Die Hand hört nie auf. Die Anschlagshand schlägt durchgehend Sechzehntel, ab und auf, wie ein Pendel. Auch wenn nichts klingen soll, bewegt sie sich weiter. Das ist die Grundlage für alles.
2. Dead Notes (Ghost Notes). Die Greifhand lockert den Druck, sodass die Saiten abgedämpft sind, aber der Anschlag geht weiter: „tschk tschk tschk". Etwa die Hälfte aller Anschläge in einem Funk-Groove sind Dead Notes. Der Akkord klingt nur, wenn die Greifhand kurz zudrückt.
3. Akzente setzen. Ein Groove entsteht, wenn von sechzehn Anschlägen im Takt vier oder fünf klingen und der Rest gedämpft ist. Welche klingen, das ist das Pattern. Klassisch: der erste Anschlag und die „und" nach der zwei, der Rest Dead Notes. Probier verschiedene Muster mit der Schlagmuster-Übung und einem Metronom bei 80 BPM, nicht schneller.
4. Kurz halten. Funk-Akkorde klingen kurz. Greifen, anschlagen, sofort lockern. Ein Funk-Akkord, der lang ausklingt, ist kein Funk-Akkord mehr.
Ein Groove zum Üben
E9, ein Takt, Sechzehntel durchgehend. Klingen lassen auf 1, auf der „e" nach der 2 und auf der „und" nach der 3, alles andere Dead Notes. Zwei Minuten am Stück bei 80 BPM, ohne aus dem Pendel zu fallen. Dann dasselbe mit A9. Dann abwechseln, zwei Takte E9, zwei Takte A9. Das ist bereits ein Funk-Stück.
Woher die Akkorde kommen
Der Neuner ist ein Dominantseptakkord mit einer Erweiterung. Wer Septakkorde noch nicht kennt: Akkorde für Fortgeschrittene. Und weil Funk aus dem Blues kommt, lohnt der Blick auf die Blues-Akkorde: dieselben Dominantakkorde, anderer Rhythmus.
Häufige Fragen
Welcher Akkord ist typisch für Funk? Der Dominant-Neuner, meistens E9 oder A9, oft mit dem Grundton auf der A-Saite und ohne die tiefe E-Saite.
Brauche ich eine bestimmte Gitarre? Traditionell eine Stratocaster oder Telecaster, clean, mit etwas Höhen. Aber die Technik funktioniert auf jeder Gitarre, auch auf der Westerngitarre.
Was sind Dead Notes? Angeschlagene, aber abgedämpfte Saiten. Der Rhythmus ist da, der Ton nicht. Das perkussive „tschk", ohne das kein Funk-Groove auskommt.
Wie werde ich schneller? Nicht schneller üben, sondern lockerer. Sechzehntel bei 80 BPM aus dem Handgelenk, ohne Kraft im Arm. Das Tempo kommt von allein, wenn die Bewegung klein bleibt.
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