Irgendwann steht in einem Song ein F oder ein Hm, und die acht offenen Akkorde helfen nicht weiter. Das ist der Moment, in dem viele aufhören. Dabei ist der Schritt kleiner, als er aussieht, wenn du ihn in der richtigen Reihenfolge machst: erst Barré, dann Septakkorde, dann die Farben (sus, add9), dann Slash-Akkorde.
1. Barré: F und Hm
Ein Barré-Akkord ist ein offener Akkord, den du mit dem Zeigefinger als beweglichem Sattel den Hals hinaufschiebst. F-Dur ist die E-Dur-Form einen Bund höher, mit dem Zeigefinger quer über alle sechs Saiten im ersten Bund.
H-Moll (Hm, international Bm) ist die Am-Form im zweiten Bund, Zeigefinger über fünf Saiten.
Was beim Barré wirklich hilft:
- Zeigefinger leicht zur Seite rollen, sodass die Außenkante drückt, nicht die weiche Innenseite.
- Zeigefinger dicht hinter das Bundstäbchen. Ein Millimeter macht den Unterschied zwischen sauber und schnarrend.
- Der Druck kommt aus dem Arm, nicht aus dem Daumen. Zieh die Gitarre leicht zum Körper, dann muss die Hand weniger quetschen.
- Erst im fünften Bund üben. Dort sind die Saiten weicher als im ersten. Wenn die Form im fünften Bund klingt, wanderst du Bund für Bund nach unten.
Das Prinzip dahinter: Jede Barré-Form ist verschiebbar. Die F-Form im dritten Bund ist G, im fünften A. Die Hm-Form im dritten Bund ist Cm, im fünften Dm. Mit zwei Formen hast du alle Dur- und Moll-Akkorde auf dem Hals.
2. Septakkorde: 7, maj7, m7
Ein Septakkord ist ein Dreiklang plus ein vierter Ton, die Septime. Die drei Sorten klingen sehr verschieden:
- Dominantseptakkord (G7, C7, E7): spannend, will weiter zum nächsten Akkord. Das Rückgrat von Blues und Rock'n'Roll.
- Major-Septakkord (Cmaj7, Fmaj7): weich, offen, klingt nach Bossa Nova und Balladen.
- Moll-Septakkord (Am7, Em7, Dm7): wie Moll, nur runder. Am7 ist sogar leichter als Am: ein Finger weniger.
Auf den Akkordseiten steht bei jedem Septakkord, welche Töne er enthält. Das lohnt sich zu lesen, denn dann verstehst du, warum G7 in C-Dur so gut nach C zurückwill. Wer tiefer einsteigen will: Blues-Akkorde sind fast nur Dominantseptakkorde.
3. Farben: sus2, sus4, add9
„sus" steht für suspended: die Terz wird durch die Sekunde (sus2) oder Quarte (sus4) ersetzt. Der Akkord ist dann weder Dur noch Moll, er schwebt. Dsus4 und Dsus2 sind die bekanntesten, weil sie mit einem Finger von D aus gehen.
add9 fügt dem Dur-Akkord die None hinzu, ohne die Terz zu ersetzen. Cadd9 ist der Akkord, der in unzähligen Pop- und Country-Songs G-Dur ablöst, weil zwei Finger stehen bleiben können.
Diese Akkorde sind nicht schwerer als die Grundakkorde. Sie sind nur seltener im Anfängerkurs, obwohl sie leicht sind.
4. Slash-Akkorde: D/Fis, C/G, G/H
Ein Schrägstrich bedeutet: Akkord links, Basston rechts. D/Fis (international D/F#) ist ein D-Dur-Akkord, bei dem der tiefste Ton ein Fis ist, mit dem Daumen oder dem Mittelfinger auf der tiefen E-Saite gegriffen. Slash-Akkorde sorgen für eine Basslinie, die Schritt für Schritt läuft, zum Beispiel G, D/Fis, Em: der Bass geht G, Fis, E abwärts. Das klingt sofort nach mehr, ohne dass die Griffe schwerer werden.
Wie du das übst
Nicht alles gleichzeitig. Eine Woche nur F, in jedem Bund, jeden Tag fünf Minuten. Dann Hm. Dann nimmst du einen Song, den du schon kannst, und tauschst einen Akkord gegen die Septakkord-Variante: aus G wird G7 vor dem C, aus Am wird Am7. So hörst du, was der Akkord tut, statt ihn nur zu greifen. Wer die Theorie dazu will, findet sie bei den Tonleitern: jeder Akkord entsteht aus einer Tonleiter, und wenn du das einmal gesehen hast, musst du Akkorde nicht mehr auswendig lernen.
Häufige Fragen
Warum klingt mein F nicht? Meistens liegt der Zeigefinger zu weit vom Bund entfernt oder er drückt mit der Innenseite. Finger leicht rollen, direkt hinter das Bundstäbchen, und erst einmal im fünften Bund üben.
Kann ich F auch ohne Barré spielen? Ja, als Fmaj7 (x-x-3-2-1-0) oder als kleines F auf den vier hohen Saiten (x-x-3-2-1-1). Für viele Songs reicht das. Das große F kommt dann, wenn die Kraft da ist.
Was ist der Unterschied zwischen 7 und maj7? G7 enthält die kleine Septime (F), Gmaj7 die große (Fis). Der eine klingt spannend, der andere weich. Beide stehen mit Tönen und Griffbild auf ihrer Akkordseite.
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