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Wie Akkorde gebaut sind

Wie ein Akkord entsteht, warum Dur hell und Moll dunkel klingt und was 7, maj7, sus und add9 bedeuten. Harmonielehre für Gitarristen, ohne Notenlesen, mit Beispielen auf dem Griffbrett.

Du kannst jahrelang Gitarre spielen, ohne zu wissen, warum ein C-Dur-Akkord so heißt. Viele tun das, und es geht. Aber wer einmal verstanden hat, wie Akkorde gebaut sind, greift anders: Er erkennt Muster, findet Akkorde selbst, versteht, warum ein Song so klingt, und kann ein Stück in eine andere Tonart verschieben, ohne nachzuschlagen. Das hier ist die kurze Version, ohne Notenschrift, mit dem Griffbrett als Rechenmaschine.

Alles beginnt mit der Tonleiter

Nimm die C-Dur-Tonleiter: C, D, E, F, G, A, H, und wieder C. Sieben Töne, danach wiederholt sich alles eine Oktave höher. Auf der Gitarre ist ein Bund ein Halbtonschritt. Zwischen E und F liegt ein Bund, zwischen C und D liegen zwei. Genau dieses Muster aus Ganz- und Halbtonschritten macht die Dur-Tonleiter aus. Alle Tonleitern findest du unter Tonleitern, aber für Akkorde reicht diese eine.

Der Dreiklang: Erster, dritter, fünfter Ton

Ein Akkord entsteht, wenn du aus der Tonleiter jeden zweiten Ton nimmst. Ab C: C (der erste), E (der dritte), G (der fünfte). Das ist C-Dur. Drei Töne, ein Dreiklang. Schau dir das Griffbild an: . Fünf Saiten klingen, aber es sind nur drei verschiedene Töne, manche doppelt. Ein Gitarrenakkord ist also ein Dreiklang, der über mehrere Saiten verteilt ist.

Die drei Töne haben Namen: Grundton (C), Terz (E) und Quinte (G). Die Namen kommen von den Abständen: Die Terz ist der dritte Ton, die Quinte der fünfte.

Dur oder Moll: Die Terz entscheidet

Jetzt kommt der wichtigste Satz dieses Artikels. Ob ein Akkord Dur oder Moll ist, hängt allein von der Terz ab. Liegt sie vier Bünde über dem Grundton, ist es eine große Terz, und der Akkord ist Dur. Liegt sie drei Bünde darüber, ist es eine kleine Terz, und der Akkord ist Moll.

C-Dur: C, E, G. C-Moll: C, Es, G. Ein einziger Ton rutscht um einen Bund nach unten, und aus hell wird dunkel. Vergleich die beiden Griffbilder: und . Die Quinte bleibt bei beiden gleich, deshalb spielt sie für die Farbe kaum eine Rolle. Das ist übrigens auch der Grund, warum ein Powerchord weder Dur noch Moll ist: Er besteht nur aus Grundton und Quinte. Die Terz, die entscheiden würde, fehlt.

Vierklänge: Die Septime kommt dazu

Nimmst du noch einen Ton dazu, den siebten der Tonleiter, entsteht ein Vierklang. Ab C ist das H. C, E, G, H heißt Cmaj7, gesprochen „C major seven“. Das „maj“ steht für die große Septime, und der Akkord klingt weich und verträumt.

Rückst du diese Septime einen Bund nach unten, von H auf B, wird daraus C7: C, E, G, B. Das ist der Dominantseptakkord, und er klingt völlig anders: bluesig, unruhig, er will irgendwohin. Ein Bund Unterschied, zwei Welten. Im Deutschen ist das ein schöner Merksatz: große Septime H, kleine Septime B.

Moll mit kleiner Septime heißt m7, zum Beispiel Am7 auf Basis von A-Moll. Damit hast du die drei Vierklänge, aus denen der ganze Jazz gebaut ist.

sus, add9 und die anderen Kürzel

  • sus4 und sus2: Die Terz wird ersetzt, durch den vierten oder den zweiten Ton. Ohne Terz ist der Akkord weder Dur noch Moll, er schwebt. Dsus4 löst sich fast von selbst nach D auf.
  • add9: Die None (der neunte Ton, also der zweite eine Oktave höher) kommt dazu, die Terz bleibt. Cadd9 ist Dur mit etwas mehr Luft.
  • 6: Der sechste Ton kommt dazu. Klingt alt, ein bisschen nach Swing.
  • dim und aug: Die Quinte wird tiefer (vermindert) oder höher (übermäßig). Selten, aber wenn, dann auffällig.

Ein Akkordsymbol ist also ein Bauplan. Der Buchstabe sagt den Grundton, alles danach beschreibt, was mit Terz, Quinte und Septime passiert.

Wozu das gut ist

Drei Dinge werden leichter. Erstens: Du kannst Akkorde finden, die nicht in der Tabelle stehen, weil du weißt, welche Töne hineingehören. Zweitens: Du verstehst, warum manche Akkordfolgen „richtig“ klingen und andere nicht. Drittens: Du kannst einen Song in eine andere Tonart schieben, indem du alle Töne um dieselbe Zahl von Bünden bewegst. Wer das kann, braucht weniger Nachschlagen und mehr Gehör. Die Übersicht aller Dur-Akkorde und Moll-Akkorde ist dann kein Lexikon mehr, sondern eine Bestätigung.

Häufige Fragen

Was ist ein Intervall? Der Abstand zwischen zwei Tönen, gezählt in Tonleiterstufen. Terz heißt dritter Ton, Quinte fünfter, Septime siebter. Auf der Gitarre kannst du Intervalle einfach in Bünden zählen.

Warum hat ein Gitarrenakkord sechs Saiten, wenn ein Dreiklang nur drei Töne hat? Weil Töne doppelt vorkommen dürfen. Beim offenen E-Dur klingt das E dreimal und das H zweimal. Es bleiben trotzdem nur drei verschiedene Töne.

Warum heißt der Ton H und nicht B? Das ist eine Eigenheit der deutschen Musiksprache. Unser H ist international das B, unser B ist international das Bb. Wenn du englische Akkordblätter liest, denk daran: B dort ist H hier.

Muss ich das alles wissen, um Gitarre zu spielen? Nein. Du kannst mit den Grundakkorden tausende Songs spielen, ohne je an eine Terz zu denken. Aber wenn du irgendwann fragst „warum klingt das so?“, ist das hier die Antwort.

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