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Jazz-Akkorde: der Klang zwischen den Tönen

Maj7, m7, Dominantsept, m7b5, dim7 und Nonakkorde: die Akkorde, die Jazz nach Jazz klingen lassen. Mit Griffbildern, der II-V-I-Verbindung, Shell-Voicings und einem ersten Standard.

Jazz klingt für viele Gitarristen nach einer anderen Welt. Dabei sind die Akkorde gar nicht so weit weg von dem, was du schon kennst. Ein Jazz-Akkord ist meistens ein ganz normaler Dur- oder Moll-Akkord mit einem Ton mehr. Dieser eine Ton, fast immer die Septime, macht den Unterschied zwischen Lagerfeuer und Jazzclub. Hier bekommst du die sechs Akkordtypen, die du wirklich brauchst, die eine Verbindung, die in fast jedem Standard steckt, und einen ersten Song zum Ausprobieren.

Was einen Jazz-Akkord ausmacht

Ein Dreiklang hat drei Töne: Grundton, Terz, Quinte. Im Jazz kommt fast immer ein vierter dazu, die Septime. Je nachdem, welche Septime das ist, entstehen drei Grundfarben:

  • maj7 (große Septime): weich und verträumt. Cmaj7 ist der Klang von Bossa Nova und Balladen.
  • 7 (kleine Septime): Spannung, die weiter will. G7 drängt zurück nach C.
  • m7 (Moll mit kleiner Septime): rund und warm. Dm7 und Am7 sind die Arbeitspferde.

Wie diese Töne zustande kommen, steht im Artikel Aufbau von Akkorden. Für den Anfang reicht: Septime dran, und es klingt nach Jazz.

Drei weitere Typen, die du bald brauchst

  • m7b5 (halbvermindert): der Moll-Septakkord mit tiefergelegter Quinte. Klingt schwebend und ein wenig unsicher, und genau deshalb steht er in Moll-Songs vor dem Dominantakkord. Hm7b5 ist die Form, die du in C-Dur und A-Moll ständig triffst.
  • dim7 (vermindert): vier Töne, alle im Abstand von drei Halbtönen. Ein Durchgangsakkord, der zwei Akkorde elegant verbindet. Cdim7 lässt sich alle drei Bünde verschieben und bleibt derselbe Akkord.
  • 9, 6/9 und 7b9: Erweiterungen des Dominantakkords. C9 ist der Funk- und Blues-Klang, C6/9 ein weicher Schlussakkord, C7b9 die dunkle Variante für Moll-Auflösungen.

Die II-V-I: das Herz von fast jedem Standard

Wenn du eine einzige Akkordfolge aus dem Jazz lernst, dann diese. In C-Dur heißt sie Dm7, G7, Cmaj7: der zweite, der fünfte und der erste Akkord der Tonleiter. Der m7 leitet ein, der Dominantakkord baut Spannung auf, der maj7 löst sie auf. Spiel sie langsam, mit einem Anschlag pro Akkord, und hör hin, wie G7 nach Cmaj7 „will“. Danach dieselbe Folge in G-Dur: Am7, D7, Gmaj7. Wer die II-V-I in vier oder fünf Tonarten kann, versteht die Hälfte aller Jazz-Standards beim ersten Lesen.

Shell-Voicings: weniger Töne, mehr Jazz

Jazzgitarristen spielen selten alle sechs Saiten. Ein Shell-Voicing besteht nur aus Grundton, Terz und Septime, meist auf drei Saiten. Die Quinte fehlt, und das fällt niemandem auf, weil sie für die Farbe eines Akkords kaum eine Rolle spielt. Der Vorteil: Akkordwechsel werden kurz, der Klang bleibt klar, und es bleibt Platz für Bass und Klavier. Fang mit der Form auf der A-, D- und G-Saite an: Grundton auf der A-Saite, Septime auf der D-Saite, Terz auf der G-Saite. Damit spielst du jede II-V-I mit Bewegungen von ein bis zwei Bünden.

Ein erster Standard: Autumn Leaves

Die ersten acht Takte von Autumn Leaves in G-Dur sind eine II-V-I in Dur, gefolgt von einer II-V-I in Moll:

Am7, D7, Gmaj7, Cmaj7, Fism7b5, H7, Em, Em.

Jeder Akkord bekommt einen Takt. Spiel zuerst nur den Grundton pro Takt, dann den ganzen Akkord, dann als Shell-Voicing. Das Stück ist nicht zufällig das erste, das in fast jeder Jazzschule steht: Es enthält alles aus diesem Artikel.

Häufige Fehler

  • Zu viele Saiten. Volle Barré-Griffe mit sechs Saiten klingen im Jazz dick und träge. Drei oder vier Saiten reichen.
  • Alles gleich laut. Ein Jazz-Akkord lebt von der Melodie oben. Die höchste Saite darf etwas lauter sein.
  • Septakkorde ohne Ziel. Ein G7, der nicht nach C führt, bleibt in der Luft hängen. Übe Akkorde immer in Verbindungen, nie einzeln.
  • Zu schnell. Jazz übt man langsam. Ein Metronom auf 60 und saubere Wechsel schlagen jedes Tempo.

Häufige Fragen

Brauche ich eine Jazzgitarre? Nein. Jede Gitarre funktioniert. Eine Archtop klingt wärmer, aber Wes Montgomery hätte auch auf deiner Westerngitarre nach Wes Montgomery geklungen.

Muss ich Noten lesen können? Für Akkorde nicht. Jazz-Leadsheets zeigen Akkordsymbole über der Melodie, und die liest du wie jedes andere Akkordblatt. Wer die Melodien selbst spielen will, profitiert später von Noten lesen.

Was ist der Unterschied zwischen C7 und Cmaj7? Die Septime. C7 hat die kleine Septime (B), Cmaj7 die große (H). C7 klingt bluesig und will weiter, Cmaj7 klingt ruhig und bleibt.

Wo finde ich alle Griffe? In der Akkordübersicht stehen alle Typen für jeden Grundton, mit Griffbild und Fingersatz.

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