Die ersten Sekunden von Purple Haze: Ein Akkord, der klingt, als wäre etwas nicht in Ordnung, und der trotzdem genau richtig ist. Das ist der Hendrix-Akkord. Sein richtiger Name ist E7#9, gesprochen „E sieben scharf neun“. Jimi Hendrix hat ihn nicht erfunden, aber er hat ihn so oft und so laut gespielt, dass er seitdem seinen Namen trägt. Hier bekommst du den Griff, die Erklärung, warum er so klingt, und die Stellen, an denen du ihn hörst.
Der Griff
E7#9 auf der Gitarre:
Von der tiefen zur hohen Saite: x-7-6-7-8-x. Der Grundton E liegt auf der A-Saite im siebten Bund, der Zeigefinger nimmt das Gis auf der D-Saite im sechsten, Ringfinger und kleiner Finger übernehmen D und G auf den beiden nächsten Saiten. Die tiefe E-Saite und die hohe e-Saite bleiben stumm. Dämpfe sie mit der Seite des Zeigefingers und der Fingerkuppe des Ringfingers, sonst klingt es nach Chaos statt nach Hendrix.
Die Form ist verschiebbar. Zwei Bünde tiefer wird daraus D7#9, drei Bünde höher G7#9. Der Grundton sitzt immer unter dem Mittelfinger auf der A-Saite.
Warum er so klingt
Ein E7-Akkord besteht aus E, Gis, H und D. Der Hendrix-Akkord hat einen Ton mehr: die erhöhte None, ein G. Und jetzt der Trick: G ist die kleine Terz von E, Gis die große. Der Akkord enthält also Dur und Moll gleichzeitig. Genau diese Reibung macht ihn aus. Im Blues spielen Gitarristen seit hundert Jahren mit der Grenze zwischen kleiner und großer Terz, meistens durch Bendings. Der Hendrix-Akkord packt beide Töne in einen einzigen Griff. Deshalb passt er über Blues, Rock und Funk, und deshalb klingt er ohne Verzerrung fast noch besser als mit. Wer es genauer wissen will, findet die Grundlagen im Artikel Aufbau von Akkorden.
Wo du ihn hörst
- Purple Haze und Foxy Lady: die beiden Hendrix-Songs, in denen der Akkord die Hauptrolle spielt. In Foxy Lady kommt er als Riff-Akkord, in Purple Haze als Anker zwischen den Riffs.
- Funk und Soul: Als 9er-Akkord ohne die Schärfe ist er der Standardklang des Funk, siehe Funk-Akkorde. Mit Schärfe taucht er als Effekt auf, meistens am Ende einer Phrase.
- Blues: Über einem E-Blues kannst du E7#9 statt E7 spielen, wenn es dreckiger werden soll. Mehr dazu unter Blues-Akkorde.
Was Hendrix sonst mit Akkorden gemacht hat
Der 7#9 ist der berühmteste, aber nicht der typischste Hendrix-Griff. Typischer ist seine Art, Akkorde zu verzieren. Er legte den Daumen über den Hals auf die tiefe E-Saite und hatte damit die anderen vier Finger frei, um innerhalb eines Akkords kleine Melodien zu spielen: Hammer-ons, Pull-offs, Töne, die kommen und wieder gehen. Little Wing und The Wind Cries Mary bestehen fast nur daraus. Das ist keine Akkordtechnik, die man an einem Nachmittag lernt, aber der Einstieg ist überschaubar: Greif einen Barré-Akkord in der E-Form, ersetz den Zeigefinger durch den Daumen über dem Hals, und probier, mit dem kleinen Finger einen Ton auf der H-Saite dazuzunehmen.
Häufige Fehler
- Offene Saiten klingen mit. Die tiefe E- und die hohe e-Saite müssen stumm sein. Fast jeder schräge Klang bei diesem Akkord kommt daher.
- Zu viel Verzerrung. Der Akkord hat schon genug Reibung. Mit viel Gain wird aus Spannung Matsch. Probier ihn clean oder leicht angezerrt.
- Falsch benannt. E7#9 ist kein E-Moll-Akkord und kein Em7. Wer ihn als Moll behandelt, spielt die falschen Töne dazu.
Häufige Fragen
Ist der Hendrix-Akkord Dur oder Moll? Beides, und das ist der Witz. Er enthält die große Terz (Gis) und, eine Oktave höher, die kleine Terz (G) als erhöhte None.
Kann ich ihn auf der Akustikgitarre spielen? Ja. Er klingt dort trockener und klarer. Für Funk-Rhythmen ist die Akustik sogar eine gute Übungsgitarre, weil sie Dämpffehler sofort verrät.
Warum heißt es #9 und nicht b10? Weil der Ton in der Akkordschrift als Erweiterung über der Septime gezählt wird. Neun ist die None, das Kreuz erhöht sie. Klingt kompliziert, ist aber nur eine Frage der Schreibweise.
Welchen Akkord kann ich stattdessen spielen, wenn er noch zu schwer ist? E9 hat dieselbe Grundfarbe ohne die Reibung. Oder ein einfacher E7. Der Song funktioniert damit, nur ohne den Hendrix-Moment.
Weiterlesen
Gitarrenakkorde für Fortgeschrittene: was nach den Grundakkorden kommt
Der Schritt nach den Grundakkorden. F und Hm als Barré, Septakkorde (7, maj7, m7), sus2 und sus4, add9 und Slash-Akkorde. Mit Griffbildern und Übetipps.
Funk-Akkorde: der Griff ist einfach, der Rhythmus ist die Arbeit
Funk lebt von wenigen Akkorden und viel Rhythmus. E9, A9, D9, der Hendrix-Akkord, kleine Griffe auf den hohen Saiten und die Technik mit abgedämpften Anschlägen. Mit Griffbildern.
Blues-Akkorde: drei Griffe, zwölf Takte
Drei Septakkorde, zwölf Takte, ein ganzes Genre. Wie der 12-Takt-Blues aufgebaut ist, welche Griffe du brauchst (E7, A7, H7), der Shuffle-Rhythmus und der Turnaround. Mit Griffbildern.
Bending: den Ton ziehen, nicht drücken
Saiten ziehen wie im Blues-Solo: Halbton- und Ganztonbends, Pre-Bend, Release, Unison-Bend. Warum der Ton nicht sauber wird und wie du das änderst. Mit Übungen und Saitentipps.
Wie Akkorde gebaut sind
Wie ein Akkord entsteht, warum Dur hell und Moll dunkel klingt und was 7, maj7, sus und add9 bedeuten. Harmonielehre für Gitarristen, ohne Notenlesen, mit Beispielen auf dem Griffbrett.
Gitarre lernen: der Weg in der richtigen Reihenfolge 🎸
Vom Stimmen über die ersten vier Akkorde bis zu Powerchords und Bending. Alle Ratgeber, Übungen und Akkorde in einer sinnvollen Reihenfolge.