Neue Saiten sind die günstigste Verbesserung, die deine Gitarre bekommen kann. Sie klingen heller, stimmen sauberer und fühlen sich glatter an. Trotzdem schieben viele den Wechsel monatelang vor sich her, weil er beim ersten Mal umständlich wirkt. Ist er nicht. Eine Viertelstunde, ein paar Handgriffe, und du weißt es für immer. Hier ist die Anleitung für die drei Gitarrentypen, plus die Frage, wann es überhaupt Zeit ist.
Wann Saiten runter müssen
Es gibt keine feste Regel, nur Anzeichen. Die Gitarre klingt dumpf, obwohl sie gestimmt ist. Die Saiten fühlen sich rau an oder haben dunkle Stellen unter dem Griffbrett. Die Stimmung hält nicht mehr, obwohl die Mechaniken in Ordnung sind. Oder eine Saite ist gerissen, meistens die hohe e-Saite, und dann wechselst du am besten gleich alle, damit sie zusammenpassen.
Als grobe Orientierung: Wer täglich spielt, wechselt alle ein bis zwei Monate. Wer ab und zu spielt, alle drei bis sechs. Schwitzige Hände und Rauch verkürzen die Zeit, beschichtete Saiten verlängern sie. Welche Saiten zu deiner Gitarre passen, steht im Artikel Gitarrensaiten.
Was du brauchst
- Einen neuen Saitensatz in der richtigen Stärke und für den richtigen Gitarrentyp. Nylon auf eine Westerngitarre oder Stahl auf eine Konzertgitarre geht nicht, das beschädigt das Instrument.
- Eine Saitenkurbel. Kostet wenig und spart die Hälfte der Zeit.
- Einen Seitenschneider oder eine kleine Zange für die überstehenden Enden.
- Ein Stimmgerät.
- Ein weiches Tuch, um das Griffbrett zu putzen, solange keine Saiten im Weg sind.
Alle auf einmal oder eine nach der anderen?
Bei einer normalen Western-, Konzert- oder E-Gitarre mit fester Brücke kannst du alle sechs Saiten auf einmal abnehmen. Der Hals nimmt das für eine Viertelstunde nicht übel, und du kommst zum Putzen ans Griffbrett. Anders bei E-Gitarren mit schwebendem Tremolo: Dort hält die Saitenspannung das Tremolo im Gleichgewicht. Nimmst du alles auf einmal ab, kippt es, und du stimmst hinterher eine halbe Stunde hin und her. Bei solchen Gitarren immer eine Saite nach der anderen wechseln.
Westerngitarre
- Saite entspannen, bis sie locker hängt, dann an der Mechanik abwickeln.
- Den Pin an der Brücke herausziehen. Sitzt er fest, hilft die Kerbe an der Saitenkurbel. Nie mit der Zange hebeln, das beschädigt die Brücke.
- Die neue Saite mit der Kugel in das Loch stecken, den Pin so einsetzen, dass seine Rille zur Saite zeigt, und die Saite dabei leicht ziehen, bis der Pin fest sitzt.
- Das andere Ende durch das Loch der Mechanik führen. Lass so viel Spiel, dass die Saite zwei bis drei Wicklungen um die Achse bekommt: bei dünnen Saiten etwa zwei Bünde Länge über die Mechanik hinaus, bei dicken etwas weniger.
- Aufwickeln, so dass die Windungen von oben nach unten unter das eingeführte Ende laufen. Die Saite klemmt sich dann selbst fest.
- Grob stimmen, überstehendes Ende abschneiden, nächste Saite.
E-Gitarre
Der Ablauf ist derselbe, nur die Brücke ist anders. Bei den meisten Modellen wird die Saite von hinten durch den Korpus oder durch den Steg gefädelt, die Kugel bleibt dort hängen. An der Mechanik gilt dieselbe Regel: zwei bis drei Wicklungen bei den dicken Saiten, drei bis vier bei den dünnen, immer nach unten laufend. Hat deine Gitarre Klemmmechaniken, reicht eine halbe Wicklung, die Klemme hält den Rest.
Konzertgitarre
Nylonsaiten haben keine Kugel, sie werden am Steg geknotet. Führ die Saite durch das Loch im Steg, leg das Ende zurück über die Saite und schling es zwei- bis dreimal unter sich selbst durch, so dass es sich beim Spannen festzieht. Das Ende sollte hinter der Stegkante liegen, nicht auf der Decke. An der Mechanik wird die Saite durch die Rolle geführt und einmal um sich selbst geschlungen, bevor du aufwickelst. Nylon dehnt sich in den ersten Tagen stark. Rechne damit, die ersten zwei, drei Tage mehrmals nachzustimmen.
Dehnen und nachstimmen
Neue Saiten verstimmen sich, bis sie sich gesetzt haben. Das lässt sich abkürzen: Stimm die Saite, zieh sie in der Mitte ein paar Zentimeter vom Griffbrett weg, stimm nach, und wiederhole das zwei-, dreimal. Bei Stahlsaiten hält die Stimmung danach fast sofort, bei Nylon dauert es trotzdem ein paar Tage. Wie du sauber stimmst, steht in der Stimm-Anleitung.
Häufige Fehler
- Zu viele Wicklungen. Fünf oder sechs Windungen sehen ordentlich aus, aber die Saite setzt sich ewig und verstimmt sich bei jedem Bending.
- Zu wenige Wicklungen. Eine einzige Windung rutscht bei Stahlsaiten durch.
- Falsche Wickelrichtung. Die Saite muss von der Mechanik aus nach innen zum Griffbrett laufen. Läuft sie nach außen, drückt sie schräg auf den Sattel und schnarrt.
- Ende nicht abgeschnitten. Die spitzen Reste am Kopf stechen und verhaken sich in der Tasche.
- Falsche Saitenstärke. Ein dickerer Satz als bisher kann die Halskrümmung ändern und die Sattelkerben sprengen. Bei einem Wechsel der Stärke lieber die Gitarre kurz einstellen lassen.
Häufige Fragen
Kann ich nur die gerissene Saite ersetzen? Ja, wenn der Rest noch frisch ist. Ist der Satz älter als ein paar Wochen, klingt die neue Saite deutlich heller als die anderen. Dann lieber alle wechseln.
Wie lange halten neue Saiten die Stimmung nicht? Stahlsaiten mit Dehnen: sofort. Ohne Dehnen: ein, zwei Tage. Nylon: zwei bis vier Tage, danach ist Ruhe.
Muss ich die Saiten nach jedem Spielen abwischen? Es hilft mehr als jede andere Pflege. Ein Wisch mit einem trockenen Tuch über die Saiten nimmt Schweiß und Schmutz weg, und der Satz hält spürbar länger.
Was ist mit anderen Stimmungen? Wer oft in Drop D oder tiefer spielt, nimmt einen etwas dickeren Satz, damit die tiefe Saite nicht schlackert. Sonst ändert sich beim Wechsel nichts.
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